Allgemeine Informationen zur Sprache Italienisch:
I. Einführung
Die italienische Sprache ist eine romanische Sprache aus
der Familie der indogermanischen Sprachen. Italienisch wird
von circa 66 Millionen Menschen hauptsächlich auf der
italienischen Halbinsel, im Süden der Schweiz, auf Sizilien,
Sardinien und Korsika gesprochen. Als Einzelsprache mit zahlreichen
Dialekten ist Italienisch wie die anderen romanischen Sprachen
direkt aus dem Lateinischen entstanden, das von den Römern
und den unter ihrer Herrschaft assimilierten Völkern
gesprochen wurde. Unter den romanischen Hauptsprachen ist
Italienisch dem Lateinischen am ähnlichsten. Die Auseinandersetzung
mit der geschriebenen, aber toten Sprache und den verschiedenen
Formen der zumeist vom Vulgärlatein abgeleiteten lebendigen
Sprachen war nirgendwo so intensiv und ausdauernd wie in Italien.
Bis in die Neuzeit war Latein die Sprache der Kirche, der
Verwaltung und der Wissenschaft.
II. Ursprünge
Während der langen Entwicklungsperiode des Italienischen
traten viele Dialekte auf. Im Norden und Nordwesten herrschen
die galloitalischen Dialekte vor; dazu gehören Piemontesisch,
Lombardisch, Ligurisch und Emilianisch oder Bolognesisch,
die alle in ihrer Aussprache und durch den Verlust von Flexionsendungen
eine deutliche Verwandtschaft mit dem Französischen zeigen.
Der venetische Dialekt wird zusätzlich zum eigentlichen
venetischen Gebiet in Südtirol und in Teilen des ehemaligen
Dalmatiens und Istriens gesprochen. Südlich dieser Gebiete
finden sich die italienischen Dialekte des Centro-Sud; dazu
gehören Toskanisch, Nordsardisch, Römisch und die
eng verwandten Dialekte Umbriens und der Marken. Zu den süditalienischen
Dialekten zählen Kampanisch (mit den Dialekten der Abruzzen
und Apuliens), Sizilianisch und Kalabrisch. Die süd-
und zentralsardischen Dialekte unterscheiden sich von dieser
ganzen Gruppe so stark, dass sie einen eigenen Sprachzweig
der romanischen Sprachen darstellen. Friulanisch oder Friaulisch,
ein im Nordosten Venetiens gesprochener Dialekt der östlichen
Alpen, wird von den meisten Linguisten als rätoromanischer
Dialekt angesehen.
III. Entwicklung
Die Dialektvielfalt und der Anspruch der jeweiligen Sprecher,
dass jeder dieser Dialekte als reine italienische Sprachform
anzusehen sei, brachte bei der Entwicklung einer allgemein
anerkannten Form des Italienischen, die die kulturelle Einheit
der ganzen Halbinsel widerspiegeln sollte, besondere Probleme
mit sich. Sogar die ältesten italienischen Gebrauchstexte,
die im 10. Jahrhundert entstanden, zeigen einen dialektalen
Sprachstand. Während der nächsten drei Jahrhunderte
schrieben die italienischen Schriftsteller in den regionalen
Dialekten, wobei eine Vielzahl konkurrierender, regionaler
Literaturstile entstand. Im Lauf des 14. Jahrhunderts wurde
der toskanische Dialekt vorherrschend. Dies lag an der zentralen
Lage der Toskana in Italien und am aggressiven Handel der
bedeutendsten toskanischen Stadt, Florenz. Darüber hinaus
unterscheidet sich das Toskanische auf der morphologischen
und der phonologischen Ebene von allen italienischen Dialekten
am wenigsten vom klassischen Latein. Deshalb harmonisiert
es auch am besten mit den italienischen Traditionen der lateinischen
Kultur. Und schließlich brachte die florentinische Kultur
die drei Dichter hervor, die das italienische Geistes- und
Gefühlsleben des Spätmittelalters und der frühen
Renaissance repräsentieren: Dante Alighieri, Francesco
Petrarca und Giovanni Boccaccio.
IV. Das neuere Italienisch
Im 15. und 16. Jahrhundert versuchten Grammatiker, der Aussprache,
der Syntax und dem Vokabular des Toskanischen des 14. Jahrhunderts
den Status eines zentralen und klassischen Italienisch zu
verleihen. In den Wörterbüchern und den Veröffentlichungen
der Accademia della Crusca, die 1583 gegründet wurde
und in Italien maßgeblich für Fragen der italienischen
Sprache ist, wurden erfolgreich Kompromisse zwischen dem klassischen
Purismus und der lebendigen toskanischen Sprachverwendung
geschlossen. Im heutigen Italienisch ist die lateinische Qualität
des florentinischen Dialekts erhalten geblieben. Das lateinische
Vokabular wurde jedoch den sich ändernden Lebensbedingungen
in Italien angepasst. Die einfachen phonetischen änderungen
im Vergleich zum Lateinischen sowie eine fast vollkommene
phonetische Rechtschreibung machen es jedem leicht, Italienisch
zu lernen, der bereits Latein oder eine der modernen romanischen
Sprachen beherrscht. Der auffälligste Unterschied zwischen
Italienisch und Französisch bzw. Spanisch liegt in der
Form des Plurals, der nicht mit -s oder -es, sondern bei den
meisten femininen Substantiven mit -e und bei maskulinen Wörtern
mit -i endet. Was die Wortstellung in Nominalgruppen betrifft,
wird das Adjektiv dem Nomen nachgestellt. Die Wortstellung
im Satz ist Subjekt-Prädikat-Objekt. Das Flexionssystem
bei den Nomina ist im Gegensatz zum Lateinischen gekennzeichnet
durch einen starken Abbau des Kasussystems, während die
Flexion der Verben noch deutlich ausgeprägt ist.
"Italienische Sprache," Microsoft® Encarta®
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