Allgemeine Informationen zur Sprache Polnisch:
I. Einführung
Die polnische Sprache zählt zu den westslawischen Sprachen,
einer Untergruppe der indogermanischen Sprachfamilie, und
ist eng verwandt mit dem Tschechischen, dem Slowakischen und
dem Sorbischen, das von einer in Deutschland lebenden Minderheit
gesprochen wird (siehe slawische Sprachen). Polnisch ist die
Landessprache Polens mit etwa 42 Millionen Sprechern und die
Muttersprache von etwa zehn Millionen Sprechern in den USA,
in Russland und in den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion,
in Kanada, Deutschland und Frankreich. Zu den polnischen Dialekten
gehören Kleinpolnisch (Südostpolen mit Krakau),
Schlesisch (im Südwesten), Masowisch (Nordostpolen mit
Warschau) und Großpolnisch (im Norden). Kaschubisch
(im Norden) wird oft als polnischer Dialekt eingeordnet, obwohl
es sich als eigenständige westslawische Sprache entwickelt
hat.
II. Geschichte
Die ältesten, heute bekannten polnischen Schriftzeugnisse
sind Namen und
Glossen in lateinischen Schriftstücken (insbesondere
in der Bulle von Gnesen des Papstes Innozenz II. von 1136).
Später wurden auch religiöse Texte aus dem Lateinischen
ins Polnische übertragen, beispielsweise der Psalterz
Florianski aus dem 14. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde
der zunächst bestehende Einfluss des Tschechischen zurückgedrängt,
und das Schriftpolnische emanzipierte sich vom Lateinischen.
Nachdem Polnisch bis zum 16. Jahrhundert überwiegend
von Geistlichen geschrieben wurde, verbreitete es sich in
der Folgezeit auch bei Adel und Bürgertum. Die moderne
polnische Literatursprache entwickelte sich im 16. Jahrhundert
auf der Grundlage von Dialekten, die in der Gegend von Poznan
im Westen Polens gesprochen wurden. Aus dieser Zeit stammen
die Eulenspiegelliteratur sowie die Chronikliteratur von M.
Bielski und die Prosaschriften von M. Rejs. Im Polnischen
gibt es eine Reihe von Lehnwörtern aus dem Mitteltschechischen
und Mittelhochdeutschen sowie aus dem Lateinischen; in jüngerer
Zeit gingen Einflüsse auf die polnische Sprache vom Weißrussischen,
Ukrainischen, Französischen und Englischen aus.
III. Merkmale
Das Lautsystem der polnischen Gegenwartssprache setzt sich
aus fünf Vokalen und 35 Konsonanten zusammen, die in
einem an das Polnische angepassten lateinischen Alphabet wiedergegeben
werden. Sprachlaute, die keine graphemischen Entsprechungen
im Alphabet haben, werden durch Doppelgrapheme wie sz und
cz (die mit dem deutschen sch und tsch vergleichbar sind)
und durch aus dem Tschechischen kommende diakritische Zeichen
wie und s (die dem zh und einem weichen sch ähneln) gekennzeichnet.
Eine Besonderheit des Polnischen ist das l (vergleichbar mit
dem englischen w). Im Lauf seiner Entwicklung ging im Polnischen
die Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen verloren,
und der Wortakzent festigte sich auf der vorletzten Silbe.
Polnisch ist die einzige slawische Sprache mit nasalierten
Vokalen (a und e), die sich aus den altslawischen Nasalvokalen
entwickelt haben. Ursprünglich verfügte Polnisch
über einen Singular, einen Dual und einen Plural, der
Dual ist jedoch (wie in fast allen slawischen Sprachen) verloren
gegangen. Der Singular hat drei Genera, maskulin, feminin
und neutrum; im Plural kommt eine neue Subkategorie hinzu,
die auf männliche Personen beschränkt ist und von
einer allgemeinen Pluralform für sonstiges Belebtes und
Unbelebtes unterschieden wird. Polnisch verfügt über
ein gut ausgebautes Formensystem und hat das altslawische
Kasussystem bewahrt: sechs Kasus für Nomen, Pronomen
und Adjektive und ein siebter Kasus, der Vokativ (der in der
direkten Anrede gebraucht wird) für Nomen und Pronomen.
Verben werden nach Person, Numerus und Genus flektiert. Das
Tempussystem hat eine Vereinfachung erfahren, indem drei alte
Tempora (Aorist, Imperfekt und Plusquamperfekt) aufgegeben
wurden. Das so genannte Slawische Perfekt ist die einzige
Vergangenheitsform, die in der Alltagssprache gebraucht wird.
Das Polnische hat eine sehr freie Wortstellung.
"Polnische Sprache," Microsoft® Encarta®
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