Allgemeine Informationen zur Sprache Russisch:
I. Einführung
Die russische Sprache ist eine zum östlichen Zweig
der slawischen Sprachen zählende Sprache, die von etwa
100 Millionen Menschen auf dem Territorium der ehemaligen
UdSSR gesprochen wird und Amtssprache Russlands ist. Neben
Russisch zählt auch Weißrussisch und Ukrainisch
zu den ostslawischen Sprachen. Einstmals die Lingua franca
des Russischen Reiches und der Sowjetunion, wird sie heute
immer noch als zweite Sprache auch in den anderen ehemaligen
Sowjetrepubliken verwendet. Es gibt drei Dialektgruppen des
Russischen: Nordrussisch, Südrussisch und Mittelrussisch.
Mittelrussisch ist eine übergangsgruppe, die nordrussische
und südrussische Eigenarten verbindet. Die südrussischen
und mittelrussischen Dialekte zeichnen sich durch das so genannte
Akanje aus, eine Lautverschmelzung gewisser unbetonter Vokale.
Hochrussisch basiert auf dem in Moskau gesprochenen Mittelrussisch.
Es ist eine der fünf offiziellen Sprachen der Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten (GUS).
II. Merkmale
Die russische Sprache wird im kyrillischen Alphabet geschrieben.
Die Rechtschreibung folgt im Wesentlichen der Aussprache,
die Ausspracheregeln sind einfach und nicht sehr zahlreich.
Im Russischen gibt es weder unbestimmte noch bestimmte Artikel.
Es gibt drei grammatische Geschlechter (Maskulinum, Femininum
und Neutrum) und sechs Fälle (Nominativ, Genitiv, Dativ,
Akkusativ, Instrumentalis und Präpositiv). Im Numerus
unterscheidet man Singular (Einzahl) und Plural (Mehrzahl).
Adjektive stimmen in Genus, Kasus und Numerus mit den Substantiven
überein. Das Verb kommt in den Tempora Präsens,
Präteritum und Futur vor. Darüber hinaus besitzt
das Verbalsystem einen Aspekt, der zwei Formen mit eigenem
Wortstamm annehmen kann: Als imperfektiver Aspekt stellt er
eine Handlung als sich wiederholenden Vorgang dar, als perfektiver
Aspekt zeigt er eine Handlung als abgeschlossene Einheit,
meist aus der Sicht der Fertigstellung. Die Unterscheidung
der Aspekte wird in allen drei Modi (Indikativ, Konditional
und Imperativ) und bei den Adverbial- und Adjektivpartizipien
beibehalten. Die Adjektivpartizipien haben eine Aktiv- und
eine Passivform. Aufgrund des ausgeprägten Flexionssystems
zur Markierung syntaktischer Relationen ist die Wortstellung
im Russischen relativ frei. Der russische Wortschatz zeichnet
sich durch große Wortfamilien aus, die mittels verschiedener
Vorsilben und Endungen aus demselben Stamm abgeleitet werden.
III. Geschichte
Bis zum 14. Jahrhundert wird das Altostslawische als gemeinsame
Grundlage für das Russische, Ukrainische und Weißrussische
angenommen. Die ersten schriftlichen Zeugnisse in russischer
Sprache gehen auf das Ende des 10. Jahrhunderts zurück,
nachdem die slawischen Völker zum Christentum übergetreten
waren. Als Literatursprache wurde das Altkirchenslawische
(auch Altbulgarisch oder Altslawisch) verwendet, das die Missionare
ins Land gebracht hatten, und das den Ostslawen unmittelbar
verständlich war. Im Laufe der Zeit wuchsen jedoch die
Unterschiede zwischen der gesprochenen altrussischen und der
geschriebenen Sprache, da die gesprochene Sprache einige Vereinfachungen
auf phonologischer (lautlicher) und morphologischer (in der
Wortbildung) Ebene durchlief. Altkirchenslawisch wurde bis
Ende des 17. Jahrhunderts als Literatursprache verwendet.
Nur in Verwaltungs- und Gerichtsschriften war die Schriftsprache
vollkommen frei von altkirchenslawischen Einflüssen.
Die Verweltlichung und Verwestlichung der Kultur in der Regierungszeit
Peters des Großen im 18. Jahrhundert (die so genannte
"Europäisierung Russlands") verursachte einschneidende
Veränderungen im Bereich der Sprache. Die alte Schriftsprache,
sowohl das liturgische Altkirchenslawisch als auch die weltliche
Verwaltungssprache, war nicht in der Lage, die vielen wissenschaftlichen,
technischen, kulturellen und politischen Vorstellungen zu
transportieren, die ins Land kamen. Nach der Reformierung
des russischen Schriftsystems durch Peter den Großen
schwand der Einfluss des Griechischen, Polnischen und Kirchenslawischen
auf die russische Sprache. Im Jahr 1708 wurde das erste Buch
in der neuen russischen Schrift gedruckt. Das Russische weist
seit dem 18. Jahrhundert viele Lehnwörter aus dem Niederländischen,
Deutschen, Französischen, Englischen und Italienischen
auf. Viele Vertreter der russischen Oberschicht orientierten
sich an westlicher, vor allem französischer Kultur. Daneben
entwickelte sich eine Schriftsprache, die eine regelrechte
Stilmischung aus dem Altkirchenslawisch, der Umgangssprache
und kürzlich entlehnten, westlichen Sprachelementen war.
Erste Versuche, die Trennung zwischen den unterschiedlichen
Sprachformen zu überwinden, unternahm Nikolaj Michajlowitsch
Karamsin Ende des 18. Jahrhunderts. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts
entwickelte sich mit dem Werk Aleksandr S. Puschkins eine
Literatursprache, die als einheitliche Norm der russischen
Schriftsprache anerkannt wurde, und die in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts den gegenwärtigen Entwicklungsstand
erreichte.
"Russische Sprache," Microsoft® Encarta®
Online-Enzyklopädie 2002 http://encarta.msn.de ©
1997-2001 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
|