Allgemeine Informationen zur Sprache Spanisch:
I. Einführung
Die spanische Sprache ist eine zum romanischen Sprachzweig
gehörende indogermanische Sprache, die mit dem Katalanischen,
dem Portugiesischen und dem Galicischen die Gruppe der iberoromanischen
Sprachen bildet. Spanisch ist die Muttersprache von circa
300 Millionen Sprechern vor allem auf der Iberischen Halbinsel,
in Lateinamerika und in den karibischen Staaten und ist damit
eine der weltweit am weitesten verbreiteten Sprachen. Der
Dialekt Kastilisch (Castellano) ist die historische Grundlage
des modernen Spanisch, daher wird das Spanische häufig
auch Kastilisch genannt. Spanische Kolonialisten verbreiteten
die spanische Sprache auf den Kanarischen Inseln, den Antillen,
den Philippinen, in Nordamerika, im größten Teil
von Südamerika und in den Küstenregionen Afrikas.
Auf der Iberischen Halbinsel deckt sich das Sprachgebiet des
Spanischen nicht ganz mit dessen Staatsgebiet; innerhalb Spaniens
gibt es drei nicht spanischsprachige Regionen: Galicien im
Nordwesten mit Gallego (genau genommen ein Dialekt des Portugiesischen)
als Regionalsprache; die Provinzen Baskenland im Norden mit
Baskisch, einer isolierten, agglutinierenden Sprache, und
Katalonien an der Ostküste mit Katalanisch, einer romanischen
Sprache. Katalanisch wird auch auf den Balearen, in Frankreich,
in den Pyrénées-Orientales und in Teilen von
Kuba und Argentinien gesprochen.
II. Geschichte
Viele der spanischen Dialekte, die sich im Mittelalter in
den verschiedenen Regionen des Landes entwickelt haben, sind
aus dem Vulgärlatein der römischen Armeen und Siedler
in der ehemaligen römischen Provinz Hispania hervorgegangen.
Die kastilische Mundart (das kastilische Spanisch) setzte
sich allmählich als Standardsprache durch, nachdem Kastilien
im 13. Jahrhundert politisch an Einfluss gewann. Der Großteil
des spanischen Wortschatzes geht auf das Lateinische zurück,
doch viele Wörter sind auch aus anderen, älteren
Sprachen entlehnt, z. B. aus dem Griechischen, Baskischen
und Keltischen. Mit dem Einfall der Westgoten im frühen
5. Jahrhundert n. Chr. wurden einige germanische Wörter
ins Spanische übernommen. Die muslimische Eroberung drei
Jahrhunderte später führte zur Entlehnung einer
großen Anzahl arabischer Wörter, die größtenteils
durch das arabische Artikelpräfix al- identifiziert werden
können. Bedingt durch den im 11. Jahrhundert beginnenden
Einfluss der französischen Ekklesiasten und Pilger auf
ihrem Weg nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens,
erweiterte sich der spanische Wortschatz beträchtlich
durch französische Elemente. Im 15. und 16. Jahrhundert
gingen infolge der Herrschaft der Aragoneser in Italien und
der Beliebtheit der italienischen Dichtung in Spanien einige
italienische Begriffe ins Spanische ein. Weitere Entlehnungen,
insbesondere aus Indianersprachen, gehen auf die Beziehungen
Spaniens zu seinen Kolonien und auf die spanischen Besitztümer
in anderen Ländern zurück. Bedingt durch wissenschaftliche
Forschungen erhöhte sich die Anzahl der Entlehnungen
konstant weiter.
III. Merkmale
Die grammatische Struktur des Spanischen stimmt weitgehend
mit der des Französischen, Italienischen, Portugiesischen
und anderer romanischer Sprachen überein. Eine ausgesprochene
Besonderheit der spanischen Grammatik ist jedoch der Gebrauch
der Präposition a (normalerweise mit der Bedeutung "zu")
vor dem direkten Objekt der Person (der so genannte präpositionale
Akkusativ), z. B. veo a mi amigo ("Ich sehe [Präposition]
meinen Freund"). Die vier Konjugationsklassen des Lateinischen
haben sich im Spanischen auf drei reduziert; außerdem
unterscheiden sich im Spanischen die regelmäßigen
Verben der zweiten und dritten Konjugation nur in vier Formen,
und zwar im Infinitiv Präsens, in der ersten und zweiten
Person Plural Indikativ Präsens und in der Imperativform
der zweiten Person Plural. Der Konjunktiv wird im Spanischen
viel öfter gebraucht als in den meisten modernen Sprachen.
Das Spanische hat neben dem gewöhnlichen Konjunktiv Präsens
und Imperfekt noch eine zweite Form des Imperfekts, die aus
dem lateinischen Plusquamperfekt im Indikativ hervorgegangen
ist. Die Hilfsverben dienen wie in anderen romanischen Sprachen
der Bildung von zusammengesetzten Tempusformen. Das Perfekt
wird jedoch, anders als im Französischen, Italienischen
und auch im Deutschen, die auch das Tempushilfsverb sein benutzen,
immer mit einer Form von haber ("haben") gebildet,
wie z. B. in se ha lisonjeado, "er hat sich geschmeichelt".
Spanisch verfügt im Vergleich zu anderen romanischen
Sprachen über eine weit größere Anzahl an
reflexiven Verben, die in einer idiomatischen Bedeutung gebraucht
werden können. Wie in anderen romanischen Sprachen sind
die Verbformen im Futur und konditionalen Indikativ genau
genommen Komposita, die als Erstglied eine Vollform des Infinitivs
(der als Stamm dient) und als Zweitglied die Präsens-
oder Imperfektform von spanisch haber im Indikativ haben.
Das Spanische hat das Genus neutrum bei einigen Wörtern
bewahrt: in der Singularform des bestimmten Artikels lo, in
den Demonstrativpronomen esto, eso und aquello sowie im Pronomen
lo in der dritten Person in Objektfunktion. Diese Neutra erscheinen
nur in indefiniten und allgemeinen Konstruktionen (no lo hizo,
"er hat es nicht getan") und in Konstruktionen,
in denen der bestimmte Artikel Neutrum mit einem Adjektiv
oder einem Adverb abstrakte Ausdrücke bildet, wie z.
B. lo bueno, "das Gute" im Sinne von "Anständigkeit,
Rechtschaffenheit, Güte".
"Spanische Sprache," Microsoft® Encarta®
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